Der Mond im Schlafrock

Double fou

Der Mond im Blaumann

Der Mond zieht gleichmäßig seine Bahn. Er döst in seiner Hängematte, die er in abnehmender Position aufgehängt hat. Die obere Schlaufe der Hängematte hat eine fest positionierte Verankerung, die untere wechselt er alle zwei Wochen und einige Stunden von rechts nach links, von links nach rechts. Und dann kommt natürlich noch hinzu, wie er in der Hängematte rumfläzt, damit er für die Menschen dick oder als Sichel zu sehen ist.
Er träumt gerade von der Sterneputzerin - er träumt eigentlich meistens von ihr - als in seinem Monoohr der galaktische Rufton erklingt.
„Scheiße, muss das jetzt sein?“ Er läßt in Gedanken die kleine Sterneputzerin erst einmal ihr Sterneglimmerkleidchen wieder überziehen, ehe er auf mental-galaktischen Empfang umschaltet.
Es ist der Milchstraßenmann. ,,Ich habe den Auftrag, dir vom Zentralnebel mitzuteilen, dass er dich kurzfristig abrufen muss. Er benötigt Deine Hilfe.“
„Was will der alte Zausel denn schon wieder? Er soll sich an seine Scheißer dort hinten in den Plejaden halten, die jede Drecksarbeit machen. Das habe ich ihm schon einige male gesagt.“
„Die sind verschollen.“
„Was, die sind verschollen?“
„Ja, hinter dem gekrümmten Roten Riesen in Collinder 261 sind sie bislang noch nicht wieder zum Vorschein gekommen.“
„Wieso schickt der Zentrale die denn in diese galaktische Weite?“
„Die Globalisierung macht auch vor uns nicht halt. Er hat eine Ausschreibung gewonnen.“
„Na toll! Und wenn mir das gleiche passiert? Wer übernimmt dann meinen Job? Die werden mir dann alle krank da unten auf der Erde. Nix wächst und gedeiht mehr und die Liebe geht auch flöten, wenn kein Mond sie mehr mit Romantik erst wundervoll macht.“
„Hör zu, du weißt doch, dass mit dem Zentralen nicht vernünftig zu reden ist. Also zieh in deiner Mondpause deinen Blaumann über und trete bei ihm an!“
Dann Rauschen und Knarzen - der Milchstraßenmann hat aufgelegt.
Der Mond bekommt sofort Magenschmerzen, wünscht sich nichts sehnlicher als einen Caipirinha, aber nur von Dieter gemixt, und krümmt sich in seiner Hängematte.
Alle jungen Keimlinge auf der nördlichen Halbkugel der Erde ziehen ihre zarten Köpfchen ein und verzögern somit Wuchs und Ernte.

Der Mond nimmt Verbindung mit der galaktischen 999 auf.
„Zentrrralnebel am Aparrrat“, schnarrt eine sterneverstaubte Stimme.
„Errrdenmond hierrrrrrrr“, äfft der Mond nach, um sich ein wenig aufzubauen.
„Sieh einmal an, mein Jungchen, du bist ja fix. Kannst wohl kaum erwarrrten, welch wunderrrvolle Aufgabe ich fürrr dich habe, was?“
Der Mond krümmt sich noch mehr in seiner Hängematte zusammen. Jungchen! Immer wieder muss der Alte ihm das unter die Nase reiben und dann noch mit einer besonders niederen Arbeit krönen.
Die Keimlinge auf der nördlichen Halbkugel bekommen fast den Rest, so dass auf der Erde eine Hungersnot droht.
„Wie du weißt, oh Zentraler, ist auch meine für dich verfügbare Zeit begrenzt“, flötet der Mond, wohl wissend, dass daran der Zentrale nicht rütteln kann. Auch er unterliegt allen fundamentalen, galaktischen Gesetzen.
„Ich weiß, Jungchen“, die weltweite Hungersnot wird immer wahrscheinlicher „aberrr von deinen 8 Stunden, 47 Minuten und 6 Sekunden darrrfst du abziehen: 3 Sekunden um den Blaumann überrrzustülpen, 27 Sekunden und 398 Millisekunden für An- und Abrrreise und eventuelle 49 Sekunden um zu deinem Arrrbeitsplatz und zurrrück zu mir zu gelangen - da habe ich dirrr fürrr die Rückkehrrr schon eine Sekunde dazu gegeben, falls du etwas errrschöpft sein solltest.“
Die Krümmung des Mondes nimmt zusehends zu, als er mit zittriger Stimme fragt: „Was darrrf ich fürrr dich tun, oh Zentraler?“
„Äff mich nicht nach, du Winzling !“, schimpft der Zentrale. „Schwarrrze Löcher stopfen!“
Die weltweite Hungersnot wird unausweichlich.
Der Mond ist versucht, die Kosmische Kälte anzurufen, um ihr sein Testament zu diktieren. Aber erstens konnte er diese Hexe auf die Unendlichkeit nicht leiden und dachte zweitens sofort an die Liebenden auf der Erde.
Er reckt sich. Die Keimlinge stecken ihre Köpfchen wieder in die Höhe.
Eine passable Ernte wird wieder wahrscheinlich.

Nach neun Tagen war es soweit. Der Mond legt seinen Blaumann bereit, um ihn pünktlich zur Mondpause überstülpen zu können. Dann schickt er der kleinen Sterneputzerin und Dieter eine GMS (galaktische message), dass er in seiner Mondpause beschäftigt sei.
Er hat das linke Bein gerade im Blaumann, als die GMS der Sterneputzerin eintrifft:
„Ich vermisse Dich. Wo bist du? Wann kommst du?“
„Der Zentrale hat mich geordert.“
„Ich habe Angst um dich!“
„Ach was, Pillepalle. Auf dem Rückweg bin ich bei dir!“
„ ;-) “.

Das hatte den Mond fast drei Sekunden gekostet ...

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