Der Mond im Schlafrock

Hühnersuppe gegen Erkältung

Der Himmel ist sternenklar und der Frost knackt wieder einmal so richtig im Februar. Die Elfe ist durchgefroren als sie beim Mond ankommt, obwohl sie ihre Mütze aus Hummelpelz übergestülpt hat. Sie niest ein wenig und sieht, wie der Mond verstohlen ein Caipirinha-Glas hinter seine Mondbar schiebt.

»Du hast wohl eben einen genippt, was?« fragt die Elfe und muss danach schon wieder niesen.
»Das täte dir bei deinem Schnupfen aber auch gut. Ich glaube, die Kosmische Kälte hat mitbekommen, was wir hier oben treiben und will uns ein wenig sabotieren.«
»Da lassen wir uns gar nicht beeindrucken. Wenn deine kleine Sterneputzerin kommt und eventuell auch einen Schnupfen hat, kannst du ihr ein Süppchen vorsetzenwelches sie aufmuntert und Kraft für euer Schäferstündchen gibt. Haben wir alle Zutaten?«

1 Hähnchen
3 rote Zwiebeln
1 kleine Knolle Knoblauch
1 Stange Porree
1/2 Knolle Sellerie
5 Möhren
1 rote Paprika
1 Chilischote
5 cm Ingwer
13 Wacholderbeeren
5 Körner Piment
grobes Mehrsalz
11 Pfefferkörner
5 Blätter Lorbeer
1 Tasse Reis

»Dann geben wir jetzt das gewaschene Hähnchen in den großen Suppentopf, so viel Wasser dazu, dass es gerade bedeckt ist, einen gestrichenen Esslöffel voll grobem Meersalz, Wacholder, Piment und Lorbeerlaub sowie die Pfefferkörner und bringen es zum Kochen. Während es dann vor sich hin köchelt, schälen wir die Zwiebeln, halbieren sie und schneiden dünne Scheiben. Danach den Ingwer schälen, ebenfalls in dünne Scheiben schneiden und diese wiederum in schmale Streifen. Die Chilischote längs aufschneiden. Wer es richtig scharf mag, lässt die Körner drin - ansonsten raus damit. Die halbierte Schote in Streifen schneiden und alles dem köchelnden Hähnchen zugeben.
Nun schälen wir die Möhren und scheiden sie in schmale Scheiben, den Porree in etwas breitere, der Sellerie wird nach dem Schälen gewürfelt. Zuletzt noch die Paprikaschote würfeln oder in kleine Streifen schneiden.«

»Aha«, sagt der Mond, »und wer bekommt dann den Hahn? Ich oder die Sterneputzerin?«


»Was bist du nur für ein Trollo, alter Mond. Warte ab, bis der Hahn gar ist. Dann holen wir ihn aus dem Topf und lösen das Fleisch ab und schneiden es in mundgerechte Stücke. Ich hoffe, du weißt, was ich mit mundgerecht meine, alter Gierschlund. Die Pelle - also die Haut - kommt auch wieder in die Suppe. Wir kochen hier nicht für Weight Watchers, sondern etwas gegen die Erkältung. Und da benötigt man nicht nur Vitamine, zusätzlich auch ein wenig etwas zur Stärkung.«
»Und was machen wir mit den Knochen?«
»Manno! Die kommen in den Mülleimer! Hast du überhaupt einen?«
»Nee. Habe hier ja keine Reste. Außer die Limettenschalen für meinen Caipirinha und die werfe ich immer gleich ins All.«
»Das mutet hier wirklich alles sehr mittelalterlich an. Ab ins All.Die intergalaktische Wegwerfmethode ohne Gefahrenbremsung für irdische Raumfahrer. Die halten womöglich deine kosmischkälteschockgefro-renen Limettenschalen glatt für Meteoriten. Einige Gerätschaften wirst du dir hier wohl noch anschaffen müssen. Was machen wir nun mit den Schalen und den Knochen?«
»Die deponieren wir hinter meiner Mondbar und Dieter kann sie entsorgen, wenn er die Lieferung für den nächsten Kochkurs bringt.«
»Na dann sieh zu, dass die Sterneputzerin nicht hinter die Mondbar lugt. So, der Hahn ist gar, jetzt geht es ihm an den Kragen. Du machst das jetzt. Ich schmecke mal die Brühe ab und würze etwas nach. Meine Zutaten sind von der Menge her eher etwas leger angesetzt. Entscheidend ist jederzeit die Kostprobe während der Zubereitung. Und damit steigt die Individualität des Gerichts. Ist ja auch eine Entscheidung der jeweiligen Stimmung beim Kochen. Ach ja, kipp mir mal bitte noch einen Rotwein ein, sonst wird das überhaupt nix!Meine Geschmacks-knospen und meine Laune müssen immer hoch gehalten werden.«

Der Mond wischt sich die Hände sauber und gießt der Elfe Rotwein nach - einen trockenen Portugiesen. Dann nimmt er die Gelegenheit beim Schopfe, um sich einen kräftigen Caipirinha zu mixen. Sie stoßen beide an und widmen sich wieder ihrer Arbeit.Der Mond puhlt und schneidet und die Elfe kostet und spült mit Rotwein nach.

»Ich bin zufrieden«, sagt die Elfe, »jetzt kommt das restliche Gemüse hinzu und der Reis. Lassen wir alles köcheln, bis es gar ist. Ach ja, haste noch 'nen Rotwein? Danach schmecke ich noch mal ab, und alles ist erledigt.«

Die Elfe würzt ein wenig nach und hält dem Mond den Löffel hin. »Koste mal. Wenn du meinst, dass es nicht scharf genug ist, dann habe ich noch getrocknete Chilis in meiner Rocktasche.«

Der Mond schlürft den Löffel leer und schaut die kleine Elfe mit großen Augen an.
»Eh, nur nicht schärfer. Vielleicht beim nächsten mal. Da tropft mir ja jetzt schon die Nase. Diese Suppe bringt die Sterneputzerin bestimmt wieder in die Spur. Aber weißt du, ich beiße ja auch ganz gern auf etwas Festes und wenn die Sterneputzerin hier die meiste Suppe weglöffelt, könnte ich noch etwas Winterliches vertragen. Hast du was im Angebot? Dieter liefert innerhalb einer Stunde, die könnten wir uns doch bei Rotwein und Caipirinha vertreiben.«

»Oh ja, da fällt mir spontan etwas ein: Zwiebelkuchen!Ruf Dieter an, er muß ganz schnell ein wenig nachliefern.«

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